Neulich wurde ich gefragt…

Ein passendes Intro für einen weiteren Klugsch***alarm, oder?

Ist ja auch egal, ob es neulich war oder ob überhaupt MICH persönlich jemand gefragt hat, denn Fakt ist: Mythen, Überlieferungen, nicht ganz zu Ende gedachte Annahmen und Behauptungen gibt es allgemein zu Genüge und ich kann zumindest ein wenig beim Thema Hundeernährung meinen Senf (nix für Hunde) dazugeben.

Was wurde denn nun gefragt?

Wie komme ich zu der steilen Aussage, dass viele einfache BARF Rechner, die man im Internet findet, ganz schöner Kokolores sind?

Und dass man für fundierte Ernährungspläne und Rationsgestaltungen wirklich ein wenig tiefer eintauchen sollte – ob in Bücher oder in den Geldbeutel, bleibt dir selbst überlassen – Hauptsache, es kommt am Ende eine bedarfsdeckende Mahlzeit raus!

Das kann ich dir genau sagen. Es läuft folgendermaßen: man gibt zunächst ein, welche Aufteilung der Mahlzeit man bevorzugt. Gängig sind 80 % tierische und 20 % pflanzliche Komponenten oder auch 70 / 30.

Das Gewicht der Tagesportion berechnet sich durch eine % Zahl vom Körpergewicht des Hundes. Dabei geht man von 2% (wenig aktiv) bis 4% (sehr aktiv) aus. Im Wachstum sind auch 5% möglich.

So weit so ok. Aber hier gibt es schon diskrepante Einschätzungen, was das Aktivitätslevel des Hundes betrifft, und so ist mancher Hund ganz schnell ein wenig überversorgt! Nicht gut!

Die tierischen Komponenten setzen sich meist zusammen aus Muskelfleisch mit Fettanteil x %, Innereien, Rohfleischknochen, Pansen. Die pflanzlichen Anteile sind Gemüse und/oder ein wenig Obst. Super gesund klingt das doch, mit Gemüse und Obst. Und dann hat der Hund doch alles, was er braucht?

Das reicht leider nicht!

Hier nur ein oberflächlicher (!) Abriss:

Diese Zusammensetzung der Ration enthält sehr viel Protein – was bei gesunden Hunden kein Problem ist, aber dauerhaft zu viel Protein finden die Nieren auch nicht immer gut.

Den Fettgehalt, der hauptsächlich der Energiegewinnung dient, kann man noch am besten steuern mit der Auswahl des Muskelfleischs.

Aber auch Fleischmixe enthalten ihre Tücken, wenn sie Schlundfleisch enthalten. Oder wenn explizit Schlundfleisch verfüttert wird, das man als alleinige Fleischquelle kaufen kann! Das kann zu einer alimentären, also ernährungsbedingten Hyperthyreose (und im weiteren Verlauf zu noch ganz anderen Problemen) führen. Denn wenn nicht richtig gesäubert, haftet noch Schilddrüsengewebe des Schlachttieres daran und damit nimmt der Hund eine unkontrollierte Menge an Schilddrüsenhormonen auf.  Das kann auch bei Stichfleisch der Fall sein.

Häufig bekommt der Hund zu wenig Calcium bei zu viel Phosphat (wenn mehr Phosphat als Calcium vorhanden ist, nennt man das ein inverses Verhältnis und das ist absolut zu vermeiden!). Und oft enthält die Ration auch nicht ausreichend Ballaststoffe, die für die Darmperistaltik und auch die Ernährung der uns wohlgesonnenen kleinen Mitbewohner im Darm wichtig sind.  

Der Jodgehalt ist viel zu gering, wenn man keinen Seefisch füttert. Kupfer, Selen und oft absolut unterrepräsentiert.

Vitamine können nur bedingt aus dem Gemüse gewonnen werden, das dient mehr als Ballaststoffquelle.

Dafür hat es in Innereien viele Vitamine – Aber Achtung: der Hauptanteil an vorgeschlagenen Innereien ist meistens die Leber und die enthält schwindelerregende Gehalte an Vitamin A! Das kann ganz schnell überdosiert sein – nicht gesund! Vitamin D ist auch ein fettlösliches Vitamin und kann überdosiert werden. Ist aber auch mit der Aufnahme von Calcium und Phosphat eng verwoben.

Innereien, Pansen und rohe fleischige Knochen werden auch nicht immer gut vertragen. Erstere haben einen hohen Bindegewebsanteil (das ist zwar Protein, aber schwer verdaulich) und die RfK können bei zu großer Menge auch nicht gut verdaut/verarbeitet werden (Stichwort: Knochenkot, Zähne).

Es können auch sekundäre Mangelerscheinungen auftreten, die Stoffe betreffen, welche an sich ausreichend vorhanden, aber nicht richtig verstoffwechselt werden können. Weil andere Komponenten fehlen oder nicht im richtigen Verhältnis vorliegen. (Es bedingt sich alles gegenseitig und ist sehr komplex).

Bin ich dagegen?

Ich gebe zu, das klingt, als würde ich das Barfen verteufeln. Nein, das tue ich absolut nicht, aber man MUSS sich mit dieser Ernährung eingehend beschäftigen, damit der Hund gut versorgt ist. Und ich verstehe sehr wohl, warum viele VeterinärInnen beim Thema BARF die Augen verdrehen, denn sie sehen dann ja nur die Tiere, bei denen es nicht so gut läuft, weil die Menschen – mit besten Absichten – im Internet kaufen und einen unseriösen Rechner aus dem Shop als alleinige Informationsquelle nutzen.

Gute Rechner planen alles ein und schlagen auch weitere sinnvolle Zusätze vor (Öle, Seealgen Lebertran– alles mit genauer Dosieranleitung. Oder ein Mineralpulver, wenn z.B. keine Innereien oder RfK verfüttert werden). Es werden auch weiterführende Informationen zur Verfügung gestellt, um sich mit dem Thema verantwortungsvoll auseinandersetzen zu können.  

Nochmal zum Fleisch

Ich finde es absolut sinnvoll, nachhaltig und ethisch korrekt, dass Fleischreste, die bei der Schlachtung anfallen und dem feinen humanen Gaumen nicht munden, noch eine sinnvolle Verwendung finden. Und es ist eher verwerflich, dem Hund das feinste Filet, das für den menschlichen Verzehr gedacht ist, zu kredenzen und dem Fleischmarkt noch weitere Nachfragen zu bestätigen.

Doch man darf sich schon Gedanken über die Wahl des Fleisches machen. Und die Sache mit dem Schlundfleisch, wie auch so vieles andere, was auch ich ganz bestimmt noch nicht weiß, ist uns „normalen“ Hundehaltern einfach noch nie zu Ohren gekommen.

Zum Glück gibt es ja immer Leute, die sich über Themen ein wenig mehr Wissen anfuttern, um dann auch andere Menschen unterstützen zu können…=)

Mangel- /Überschuss- / Fehlernährungen

Sind also nicht von der Hand zu weisen, auch bei konventionellem Futter nicht. Der Markt ist riesig und nicht alle Futtermittel, die in Märkten angeboten werden, sind auch wirklich gesund, sinnvoll und ungefährlich (dazu zählen auch diverse Kauartikel, die man so findet – das wird ein eigener Beitrag).

Weder zu wenig noch „viel hilft viel“ ist hier angebracht. Die Wissenschaftler, die sich mit der Tierernährung auseinandersetzen, bringen regelmäßig strenge Guidelines und Bücher heraus, die genau besagen, wie viel von welchem Haupternährungsstoff (Protein, Fett), Mineralien, Spurenelement Omega 3/6 -Öle etc. ein Hund pro KG benötigt, um seine normalen Körperfunktionen am Laufen zu halten (Erhaltungsbedarf). Damit die Maschine läuft, alles wie geschmiert, alles gut ineinandergreift und der Stoffwechsel seinen Dienst verrichten kann.

Wir sind verantwortlich

Es ist doch nicht anders als bei uns Menschen. Und wenn wir auch für uns selbst nicht immer merken, was gut und was ungesund ist – oder es auch einfach trotzdem machen, weil es auch einfach mal die Seele sreichelt, dann ist das unsere eigene Entscheidung. Aber unsere Hunde sind davon abhängig, was wir ihnen anbieten und dass wir für ihre Gesunderhaltung so gut es geht einstehen und sorgen. Und da gehört die Ernährung zu einem großen Teil dazu. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Das erzähle ich ein anderes Mal.

Obacht!

Gerade bei trächtigen Hündinnen, Welpen und Hunden im Wachstum kann eine nicht bedarfsgerechte Fütterung fatale Folgen haben.

Deshalb hier nochmal meine Bitte an alle, sich wirklich schlau zu machen, ob mit einer Ernährungsberatung oder im „Selbststudium“. Da sind wir absolut in der Verantwortung, egal um welche Fütterungsform es geht.

Ein wenig nerdig zum Ende

BARF kann man unterschiedlich übersetzen- ursprünglich steht es für „Bone and Raw Food“.

Auf Deutsch hat sich Biologisch Artgerechte Roh Fütterung etabliert.

Diese Art der Fütterung zieht als Basis die ursprüngliche Ernährung des Wolfes heran, es werden rohe Nahrungsmittel verwendet (so viel man weiß, braten die Wölfe ein Kaninchen ja auch nicht am Spieß überm Lagerfeuer) und im Prinzip versucht, mit den Komponenten ein Beutetier „nachzubauen“.

Eine gute und natürliche Idee, die den meisten Hunden das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Eine Schwierigkeit dabei ist allerdings, dass unter natürlichen Bedingungen ein Carnivore viel mehr Kalorien zu sich nehmen muss, also größere Portionen verschlingt (so er denn erfolgreich ist) und damit auch die erforderlichen Nährstoffe aufnimmt.

Die – vergleichsweise – kleinen Portionen, die unsere Hunde nur benötigen, weil sie eben viel weniger Kalorien verbrauchen, enthalten aber auch weniger Nährstoffe.

Deshalb ist es auch nicht möglich, einen Hund mit einer „FDH“ Diät (also „Friss die Hälfte“, wer es nicht kennt) mit seinem normalen Trocken- oder Nassfutter von einem Übergewicht runterzubekommen. Denn somit nimmt er auch nur FDH an Nährstoffen auf.

Das ist auf Dauer zu wenig – da können selbstgestaltete Rationen viel besser angepasst werden (mach ich sehr gerne😊).

Zudem ist es ja auch so, dass wir unsere Hunde im Idealfall 10-15 Jahre an unserer Seite wissen wollen und das „alleinige Ernährungsziel“ nicht nur die Stärkung des Individuums zur Weitergabe der eigenen Gene ist! Die Lebenserwartung der meisten Wölfe kann ja nicht unser Anspruch sein.

Daher ist es nicht allzu klug, unsere Hunde genau wie Wölfe zu ernähren. Und vielleicht regelmäßige Fastenzeiten oder unregelmäßige Fütterungen darauf zu beziehen, dass der Wolf ja auch mal tagelang nix zwischen die Reißzähne bekommt. Was das mit unseren Hunden macht…na ja- auch ein eigenes Kapitel wert bzw. in den Piggybacks zu den Bedürfnissen nachlesbar.

Take Home Message: 

Egal was du fütterst – wenn das Futter für euch passt, alles bedarfsdeckend drin ist und nicht zu viel wundersame und gehypte Zusätze hat, super schmeckt, hinten nicht so viel wieder rauskommt, wie vorne rein ging und nicht dick macht…na dann ist doch alles gut!

 Eigentlich ganz einfach, oder?

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