Ne, eigentlich im Gegenteil
Hä? Rede ich wirr? Du musst doch schließlich üben, dass dein Hund bei dir geht. Dafür musst du ihn doch SEHEN und dich auf ihn konzentrieren – also liegt doch der Fokus auf dem Hund. Oder wie oder was?
Wie gut, dass du fragst
Als erstes möchte ich kurz die Wirkung auf die REINE Blickrichtung, also die physische Ausrichtung deiner Augen, deines Kopfes und deines Körpers eingehen. Denn wohin du guckst, wohin deine Körperausrichtung geht, ist für deinen Hund eine der ultimativen Informationen. Du schaust ihn an? Er ist gemeint. Du drehst dich in eine Richtung? Da geht´s lang. Eigentlich doch ganz einfach? Leider nicht, es ist für uns Menschen total schwer, uns bewusst zu machen, was wir mit unserem Körper alles „anrichten“.
Ein Beispiel aus dem Leben
Ein Hund kommt euch entgegen. Du schaust deinen Hund an, um zu checken, wie er reagiert. Dann schaust du auf den anderen Hund und wieder zu deinem Hund. Vielleicht redest du noch auf deinen Hund ein, dass er still sein soll, während du hin und her schaust. Und bläst dabei eigentlich zum Angriff, denn dein Hund versteht dabei: „Alles klar, dem soll ich auf die Mappe hauen? Wird erledigt!“ Den Rest können wir uns alle vorstellen.
Und dein Hund hat nur gemacht, was du ihm kommuniziert hast.
Es ist nicht immer alles genau so schlimm und die Hunde verstehen schon irgendwann, dass wir in dieser Körpersprache nicht so gut sind. Sie können da milde mit uns sein – aber häufig sind genau diese Kommunikationsschwierigkeiten Auslöser für unerwünschtes Verhalten.
Jetzt aber mal den Fokus auf FOKUS
Stell dir mal vor: Du bist in einer fremden Stadt (in einem Land, dessen Sprache du nicht sprichst) und du hast dir eine Führung / einen Guide gebucht, dir die Stadt zu zeigen, durch die Gänge und Gassen zu leiten und dich am Ende auch wieder wohlbehalten am Hotel abzuliefern. Der Guide bleibt immer hinter dir stehen, wartet, bis du weitergehst und beobachtet dich und nimmt den Weg, den du vorschlägst (obwohl du dich nicht auskennst!)
Wenn du ihn anschaust, weil du nicht weißt, wohin es geht, starrt er zurück und holt evtl. erstmal den den Stadtplan heraus – zur Sicherheit.
Na, fühlt sich das an, als hätte der Guide einen Überblick? Macht er einen souveränen Eindruck? Bist du dir sicher, wieder an deinem Hotel anzukommen?
Das „F“
Ich möchte ein guter Guide sein, also eine sichere Führung bieten! Das bedeutet für mich: ich habe einen Plan! Ich weiß, wo es brenzlig werden könnte*, und ich kenne das Ziel oder den Rundkurs.
Ich kenne den Weg durch Gänge und Gassen und ich komme wieder „zum Hotel“ zurück.
Im Unterschied zum Reiseführer bekomme ich zwar kein Geld und muss keine Touristen in einem kleinen Radius um mich scharren, damit mir ja keiner flöten geht. Und ich muss auch nicht super performen oder lustige und spannende Fakten und Anekdoten erzählen. Wenn ich jemanden verliere oder meine angeleitete Tour nicht spannend genug ist, fällt das Trinkgeld auch nicht kleiner aus. Doch ich werde auf eine andere Weise belohnt…
Mit dem „O“
Wenn mein Hund also den Eindruck hat, dass ICH den Plan habe, über alles Bescheid weiß, Nachbars Lumpi DURCH die Hecke (na gut, oben drüber, wir wollen aber nicht kleinlich sein) bemerke und agiere, dann kann sich mein Hund an mir orientieren! Die meisten (wie bei uns Menschen auch ist das immer abhängig von der Persönlichkeit) Hunde lassen sich gerne „treiben“, wollen keine Verantwortung auf dem Spaziergang, sondern die Umwelt erkunden, E-Mails und soziale Medien checken, ein paar Posts und Reels senden, mal einen kleinen Snack nehmen und was nicht alles noch. Und das geht nur, wenn der Hund sich sicher fühlt. Nur dann kann er sich auf die schönen Dinge des Spaziergangs einlassen.
*im Idealfall – Vor Überraschungen ist niemand sicher. Aber da wir im Allgemeinen einen besseren Überblick haben, weil wir eben auf 2 Beinen unterwegs sind, sollten wir uns den Vorteil, wenn irgend möglich, zunutze machen- der Hund wird beeindruckt sein=)
Aha, und wie trainiert man das jetzt?
Kommando „Orient“ oder „Schau mich an – die ganze Zeit“ oder „Guck mal Willi, ich halte den Regenschirm nach oben, also MIR nach“?
Ob das hilft? Natürlich nicht.
Führung und Orientierung (und auch die anderen Punkte, die im nächsten Piggyback zur Sprache kommen) sind nicht ein Verhalten, das ich mit viel Übung konditionieren und antrainieren kann. Keine reinen Kommandos oder Signale können Emotionen, Gefühle und Bedürfnisse beeinflussen, lindern oder verstärken. Denn man fühlt sich geführt und orientiert, man fühlt sich sicher. Man fühlt seine Bedürfnisse befriedigt.
Deshalb sind die wichtigen Faktoren Bausteine der Beziehung zwischen dir und deinem Hund. Führung lebst du vor und dein Hund erfährt, dass er sich an dir orientieren kann. Und dann kommt es fast automatisch zu…neee, ich möchte nicht spoilern.
Spring doch gleich weiter zum nächsten Teil: FOKUS
Take Home Message:
„Manchmal ist Orientierung nicht zu wissen, wo man ist – sondern mit wem man unterwegs ist.“